Schwein: Wichtige Stellschrauben bei hohen Temperaturen

Adulte Schweine haben nur eingeschränkte Möglichkeiten, Wärme abzugeben. Bereits ab 22 Grad im Stall wird die thermoneutrale Zone einer Sau überschritten.

Viel Wärme fällt vor allem durch Verdauungsprozesse an – dies erklärt die sinkende Futteraufnahme der Sau bei steigenden Temperaturen, die zu leichteren Ferkeln, höheren Ferkelverlusten und abgesäugten Sauen führen kann. Reicht eine reduzierte Futteraufnahme nicht aus, um die Körperinnentemperatur konstant zu halten, verringert sich die Durchblutung des Magen-Darm-Traktes. Auf diesem Wege wird Körperwärme aus dem Körperinneren zur Haut transportiert, um Wärme an die Umgebungsluft abzugeben, wodurch es zu einer Minderversorgung des Magen-Darm-Traktes kommt.

Die Folgen: Der Darm ist schlechter mit Blut versorgt und kann die Nährstoffe weniger resorbieren, Teile des Darmgewebes sterben ab und Bakterien und Endotoxine gelangen in die Blutbahn. Fieber, Störung des Allgemeinbefindens und sogar plötzliche Todesfälle können auftreten. Schließlich versucht das Tier durch einsetzendes Hecheln, die Hitze weiter zu kompensieren. Steht nicht ausreichend Wasser zur Verfügung kann es schnell zur Dehydratation mit Kreislaufversagen kommen. Ursache des Todes ist jedoch meist die Verschiebung des pH-Wertes im Organismus, der durch das Hecheln entsteht.

Ausreichend schmackhaftes Wasser anzubieten, hat daher oberste Priorität. Der Wasserbedarf kann im Sommer schnell auf 60 Liter pro Tier und Tag ansteigen. Stimmen Durchflussraten, Erreichbarkeit der Nippel sowie die Qualität des Wassers nicht, wird der Effekt sinkender Futteraufnahmen verstärkt und das Risiko einer Überhitzung steigt überproportional an. Die laktierenden Sauen sollten Landwirt:innen mehrmals täglich mit kleineren Portionen versorgen, am besten in den kühleren Tageszeiten. Kleinere Portionen verringern eine schlagartige Wärmebildung. Gleichzeitig ist die Chance groß, dass die gesamte Mahlzeit aufgefressen wird und es zu keinem Futterverderb im Trog kommt.

Der Einsatz leicht verdaulicher Futter kann ebenfalls zur Reduktion von Wärmebildung führen. Auch eine Zugabe von B-Vitaminen, Antioxidantien und Elektrolyten ist hilfreich. Je früher Maßnahmen zur Reduktion von Wärmestress ergriffen werden, desto höher ist der Erfolg, den Sommer ohne große Leistungseinbußen zu überstehen.

Weitere Informationen gibt es bei den zuständigen Produktionsberater:innen vor Ort und bei Dr. Sandra Vagt, Produktmanagerin Schwein, Telefon 0251 . 682-2182 oder sandra.vagt@agravis.de.


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